Beispiele aus
"meinen" Goldbergvariationen:
(Ausschnitte,
mp3-Dateien)
Variation
1
Variation
4
Variation
13
Variation
15
Variation
20
Variation
23
Variation
25
Aria
(2. mal)
Zugabe:
Bach, Italienisches Konzert, 2. Satz
Die
Aufnahme
entstand
an einem Wochenende im August 2008 im grossen Saal der Musikakademie
Basel. Für die Hilfe beim Aufnehmen und bei der
Nachbearbeitung danke ich Amadis Brugnoni, Student für
Audiodesign
in Basel.
Die
Aufnahme führte mich an die Grenzen, wie könnte es
anders
sein. Eigentlich hätte ich eine Woche gebraucht. So
musste
ich manches unperfekt stehen lassen. Aber über vieles
Gelungene freue ich mich auch.
Vielen
Dank an alle, die mich zu dem Projekt ermutigt haben und die mich
als aktives Zuhörer weitergebracht haben. Ohne die
Zuhörer in den Konzerten wäre auch diese
Aufnahme nicht
entstanden.
Technisches:
Gespielt
habe ich auf einem von Friedemann Stein gestimmten Steinway
Konzertflügel. Aufgenommen wurde mit zwei dpa 4006 Mikrofonen,
dem
SPL Goldmike Röhrenmikrofonverstärker, dem
A/D-Wandler von
Weiss und dem HD-P2-Flashrecorder von Tascam.
Die
Grafik der CD hat Johannes Onneken unter Verwendung von Fotos von
Carsten Marek gestaltet.
Bestellung der CD (Preis 20 €
oder 30 Fr.) per Mail, siehe Kontakt
Rabatt ab 2 Stück
Bemerkungen
zu Bachs Goldbergvariationen
„Man
hört nur mit dem Herzen gut, das wesentliche ist für
die Ohren unhörbar“
frei nach
Saint-Exupéry
Bachs
Goldbergvariationen (1741) gelten nicht nur als sein grösstes
und
anspruchvollstes Klavierwerk, sondern für viele auch als sein
schönstes.
Der originale Titel lautet Clavierübung,
bestehend aus einer Aria mit verschiedenen Veränderungen vors
Clavicimbal mit 2 Manualen. Denen Liebhabern zur
Gemüths-Ergetzung
verfertiget von Johann Sebastian Bach.
Die Entstehungsgeschichte
ist nicht sicher. Denn für die von Bachs
erstem
Biograph Forkel überlieferte Version, Bach habe das Werk
für
den ihm befreundeten Grafen Keyserlingk geschrieben, damit dieser es
sich in schlaflosen Nächten von Johann Gottlieb Goldberg
vorspielen lassen könne, zur Aufheiterung wohlgemerkt, nicht
als
Schlaflied, diese Version hat nur eine einzige Quelle und ist damit
historisch nicht sicher. Goldberg war ein hochbegabter Cembalist, ein
junger Schüler von Bach Vater und dessen Sohn Friedemann.
Ein grosser Baum
Seit den epochalen Einspielungen Glenn Goulds zieht
dieses
Riesenwerk immer wieder Musiker und Hörer in seinen Bann. Auch
für mich war Gould der Auslöser, immer wieder in
dieses Werk
hineinzugehen, schon während des Studiums. Aber Gould war
während einiger Jahre wie ein grosser Baum, unter dem nichts
mehr
wächst. Noch heute berührt mich seine unbedingte
Begeisterung
für Bach, manchmal schien es mir, er sei
hauptsächlich wegen
der Goldbergvariationen auf die Welt gekommen. Natürlich war
er
krank, auch psychisch, aber auch das gehört zu ihm. An der
Grenze
von den USA zu Kanada wurde er einmal festgehalten wegen des Verdachts
auf Medikamentenschmuggel: er hatte alle Manteltaschen voller
Tabletten. Die waren aber für ihn.
Seine Art, Bach zu spielen, ist noch stark einem mechanischen Ideal
verhaftet, das man früher mit Bach verband. Hinter dem Spieler
stand sozusagen neben Bach auch noch ein knöcherner Geist, der
dem
Spieler einflüsterte: „Spiele wie eine
Maschine!“
Gould hat auch aberwitzige Tempi populär gemacht. Bei ihm
waren
sie noch mit Begeisterung und einem überaus feinen Ohr
verbunden
für Polyphonie, deshalb verzeiht man ihm alles gerne.
Mehr als hundert Aufnahmen
Für mich herausragend sind die von Rosalyn Tureck, Maria
Tipo, Andras
Schiff, Vladimir Feltsman und als abschreckendes Beispiel Alexis
Weissenberg.
Die von Kempff ist mir zu langweilig, die von Arrau stilistisch zu
unentschlossen. Obwohl beide absolut überrragende Pianisten
und
Musikerpersönlichkeiten waren.
Weissenberg paart sportliche Mechanik mit einer Art musikalischer
Dummheit und Verlogenheit, wie ich sie sonst nie gehört habe.
So
schrecklich kann Klavier sein.
Wenn schon sportlich, dann wie die heute völlig unbekannte
Amerikanerin Zola Shaulis: frisch, jugendlich, überragend
gekonnt
und musikalisch. Was mag aus ihr geworden sein? Eine Langspielplatte,
mit den Goldbergvariationen und Prokofieffs siebter Sonate –
die
Tempi kann man schon daraus erahnen. Aber sie spielt wirklich
grossartig.
Andras Schiffs Aufnahme wurde im kanadischen Rundfunk ausgestrahlt.
Glenn Gould hörte sie und lud den noch jungen Ungarn zu sich
ein.
Eine für ihn seltene Geste, die Grösse
verrät, denn
Schiff spielt die Variationen ganz anders als Übervater Gould.
In
der Tat spricht, tanzt und singt der Ungar die Musik, mit Humor und
grosser Transparenz. Der knöcherne Geist der Mechanik stand
jetzt
schmollend abseits und musste sich andere suchen, die er inspirieren
konnte, und er fand: Preisträger Martin Stadtfeld.
Bei der Italienerin Maria Tipo kommt zu den Vorzügen von
Andras
Schiff noch eine menschliche Wärme hinzu, die dieser so nicht
aufbringen kann. Eine ganz grosse Pianistin (auch in ihren
Scarlatti-Aufnahmen).
Der in den USA lebende Russe Vladimir Feltsman spielt das Werk
wunderbar und mit phänomenalem Können. Er leistet
sich aber
scheinbar historisch legitimierte Extravaganzen, die der
überragenden Aufnahme Abbruch tun (Stimmentausch, Bass kommt
in
den Sopran. Oktavierungen in extreme Bereiche).
Die St. Petersburger Liveaufnahme mit Rosalyn Tureck
gehört ebenfalls zu meinen Favoriten. Noch schöner als die
Studioaufnahme(n). Absolut überragend. Cembaloaufnahmen kommen
vorerst nicht in meine Favoritenliste.
Höchstens der noble Gustav Leonhardt. Übrigens hat
jener
knöcherne Geist der Mechanik auch die frühen
Cembalisten
inspiriert, auch die priesterliche Landowska, auch Karl Richter. Davon
sind Leonhardt wie auch Koopman oder Pinnock weit entfernt. Die
Forschungen zur historischen Aufführungspraxis haben viel
Umdenken
bewirkt, auch bei denen die moderne Instrumente spielen. Man denke an
die Bachaufnahmen von Thomas Zehetmair, Geige oder Anner Bijlsma,
Violoncello. Auch dort wird gesprochen, gesungen, getanzt, auch dort
die Abkehr vom mechanischen Ideal.
Ausserordentlich interessant, unglaublich gekonnt und sehr anregend ist die Akkordeonaufnahme mit Teodore Anzelotti.
Warum nicht auf dem Cembalo?
Ich könnte auch fragen: ja warum denn? Auf
dem
modernen Flügel kann man viel besser Stimmen herausarbeiten,
Spannungsbögen gestalten und Kontraste spielen. Dass Bach
diese
Instrumente noch nicht hatte, ist unerheblich: ist das Wesentliche der
Musik für die Ohren unhörbar, und hört man
nur mit dem
Herzen gut, dann ist die Frage, auf welchem Instrument man heute Bach
aufführen solle, nicht ganz so wesentlich. Die Antwort ist
einfach: auf jedem, auf dem man das Unhörbare der Musik am
besten
erleben kann. Es gibt eine Fassung für Streichtrio,
für
Orgel, für Akkordeon, für Holzbläser, sogar
für
Blechbläser, und eine für Marimba. Jede hat etwas
für
sich. Für mich ist das Cembalo als Soloinstrument für
diese
Musik hoffnungslos überfordert. Auch wenn die
prächtigen der
Variationen auf einem guten Cembalo schon grossartig klingen
können. Aber Klang ist überhaupt nicht entscheidend,
wenn es
ums Wesentliche geht.
Geburt einer CD
Ich habe schon als Student einige der Variationen
immer
wieder gespielt, aber nie vorgehabt, das Werk ernsthaft zu studieren.
Aber das Stück hat mich nicht losgelassen.
Hauptsächlich in
den Ferien habe ich es immer wieder geübt, weil es mir einfach
gut
tat. Wie als Therapie. Insofern kann ich an der Geschichte Forkels vom
kränkelnden Keyserlingk und seiner Musiktherapie etwas
unmittelbar
überzeugendes finden, ganz gleich, ob sie historisch stimmt
oder
nicht.
Als das Stück schon zu zwei Dritteln
„fertig“ war,
hörte ich, wie mein Kollege Hristo Kazakov es in einem
Nebenraum
übte. Das hat mir den Mut gegeben, den Rest auch noch zu
lernen
und das Stück aufzuführen.
Nach einigen Konzerten habe ich das Stück im August 2008 im
grossen Saal der Musikakademie Basel aufgenommen. Friedemann Stein
hatte den Flügel optimal vorbereitet, Amadis Brugnoni baute sachkundig die Technik auf, wozu
auch schalldämpfende Wände gehörten, um den
Flügel
aufgestellt, und sogar Decken unter den Flügel. Dann die
Frage,
wohin mit den Mikrofonen? Probeaufnahmen und los.
Johannes Onneken vom Atelier Doppelpunkt
in Basel war der Grafiker dieses Projektes. Er hat die CD auch in den
Verlag Sentovision aufgenommen.
An ihn sowie an alle anderen, die bei Erstellung der CD geholfen haben,
geht mein herzlichster Dank!
Sie können auf meiner Webseite die CD probehören:
www.stefanabels.de
Sie kostet 30 Franken. Noch ist sie nicht im Fachhandel
erhältlich, nur bei mir, über Sentovision und
über die
Goetheanum-Buchhandlung in Dornach.
Stefan Abels
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